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28 Apr 2004
Fiat 850: Ein Klassiker feiert 40. Geburtstag
Im Mai 1964 erschien die Limousine der populären Kompaktwagen-Familie Ein Jahr später folgten die sportlichen Modelle 850 Coupe und 850 Spider
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Im Mai 1964 erschien die Limousine der populären Kompaktwagen-Familie Kleine, pfiffige und preiswerte Autos waren schon immer eine große Stärke der Marke Fiat. Der Panda, das Auto des Jahres 2004, kann auf eine lange Galerie populärer Vorläufer zurückblicken. Der unvergessene "Topolino" aus den 30er Jahren, offiziell 500 genannt, zählt ebenso zu ihnen wie der Cinquecento und der Seicento, die italienischen Pendants zum deutschen VW Käfer. Ein weiterer erfolgreicher Kompaktwagen aus Turin feiert dieser Tage 40. Geburtstag: Im Mai 1964 erschien die Baureihe 850, zunächst als Limousine, ein Jahr später auch als Coupé und Spider. Der Heckmotor – im technischen Zeitgeist der 60er Jahre Auf 2.027 Millimeter Radstand erreichte die Limousine – auf italienisch Berlina – 3.575 mm Länge, fast exakt das Maß des Fiat Panda von heute. Im Innenraum bot sie Platz für zwei Erwachsene und drei Kinder; unter der vorderen Haube lag ein ansehnlicher Gepäckraum, der auch das Ersatzrad beherbergte. Außen wie innen bewusst schnörkellos gezeichnet, bot der zweitürige 850 einen weiteren Fortschritt: Seine Pforten waren nicht mehr wie beim Vorgänger hinten, sondern vorne angeschlagen. Im Heck längs montiert arbeitete ein Klassiker der Turiner Marke – der unverwüstliche Vierzylinder, der es auf 843 cm3 Hubraum brachte und mit einem Vierganggetriebe kooperierte. Mit einer Verdichtung von 8,0:1 leistete er 25 kW (34 PS) bei 5.000 U/min, und bei 2.800 Touren stemmte er 51 Nm Drehmoment. Eine seitlich liegende Nockenwelle steuerte die Ventile über Kipphebel, ein Solex-Fallstromvergaser bereitete das Gemisch auf. Mit seinen nur 670 Kilogramm Gewicht erreichte der Fiat 850 rund 120 km/h Spitze. In der leistungsgesteigerten Ausführung "850 Super" brachte es die Maschine dank einer leicht angehobenen Verdichtung (8,8 :1) schon auf 27 kW (37 PS). Im Jahre 1966 wurde die Halbautomatik "Idroconvert" eingeführt, 1968 folgte der heiße "Special": Optisch attraktiver, mit einem strafferen Fahrwerk und mit dem Motor des Coupés ausgestattet. Hier sorgten ein Doppelvergaser von Weber, eine "scharfe" Nockenwelle, eine Verdichtung von 9,3:1 und ein Sport-Auspuffkrümmer für 35 kW (47 PS), für die bereits 6.200 U/min nötig waren. Bei 4.000 Umdrehungen standen 59 Nm Drehmoment parat. Die spezifische Leistung von 55,7 PS war sehr hoch für die 60er Jahre, entsprach aber ganz der damaligen Vorstellung von Sportlichkeit. Der 850 "Special" hatte 13-Zoll-Felgen als Bereifung und vorne Scheibenbremsen. Im autoverliebten Italien fand die flotte 850-Baureihe ein begeistertes Publikum. Verbürgt ist der Fall einer Nonne, die ihre Limousine liebevoll pflegte und ihr auch einen Auspuff von Abarth gönnte. Carlo Abarth, der italienische Tuningkönig mit Wiener Herkunft, implantierte der Berlina einen 1,6-Liter-Motor – er trieb sie mit 155 PS auf 211 km/h Höchstgeschwindigkeit. Das Fahrwerk bot dafür eine gesunde Basis. Vorn waren Querlenker und eine Querblattfeder am Werk, im Heck führten Schräglenker die Räder einzeln. Teleskopstoßdämpfer hielten die Schwingungen an allen vier Rädern in Grenzen. Sportlichkeit ab Werk – das Fiat 850 Coupé Die Designlinie wies – vor allem beim Schwung der hinteren Seitenfenster – Anklänge an das etwas später aufgelegte starke Fiat Dino Coupè auf. Als Markenemblem glänzte zum ersten Mal seit 40 Jahren wieder das klassische runde Fiat Zeichen mit dem silbernen Lorbeerkranz. Im Cockpit saßen statt des Bandtachos der Limousine zwei Rundinstrumente, man sah sie durch ein Sportlenkrad mit zwei Metallspeichen. Fahrer und Beifahrer nahmen auf Sportsitzen Platz. Das 850 Coupé bekam den bereits erwähnten 47-PS-Motor mit auf den Weg, er beflügelte es zu 134,6 km/h Höchstgeschwindigkeit, wie die Zeitschrift "auto, motor und sport" akribisch ermittelte. "Beim Fahren besticht die leichte Bedienbarkeit", lobte der Autor, "man sollte das Temperament auf kurvenreichen Landstraßen ausspielen. Das Coupé lässt sich ausgesprochen sportlich fahren und macht dabei viel Spaß." Mit der hecklastigen Gewichtsverteilung erwies sich das Handling als übersteuernd, wie man es damals schätzte, aber als unproblematisch. Ein Giugiaro-Entwurf von Bertone – der Fiat 850 Spider Die gestreckte Silhouette mit dem eleganten Hüftschwung und der scharfen Abrisskante am Heck, das einfach bedienbare, unter einer Blechklappe versenkbare Stoffverdeck, die tief montierten Sportsitze und das liebevoll eingerichtete Cockpit mit den Kippschaltern und seiner ganzen Batterie an Anzeigen – all diese Elemente machten den Fiat 850 Spider zu einer Art Ferrari des kleinen Manns. Und mit einem Verkaufspreis von 7.150 Mark in Deutschland war der Traum auch erschwinglich – der schwächer motorisierte Karmann Ghia kostete Mitte der 60er Jahre schon als Coupé fast das gleiche Geld. Als attraktiv galten in jener Epoche auch die Fahrleistungen. Dank seiner aerodynamisch günstigen Karosserie lief der 725 kg leichte Spider bei zwei Messungen von "auto, motor und sport" 144 und sogar 152 km/h Spitze. Er brauchte dafür nur 49 PS; gegenüber dem Coupé hatten die Techniker mit einer Nockenwelle mit schärferen Steuerzeiten noch einmal zwei PS gefunden. Die Charakteristik war ausgesprochen drehfreudig: Die maximal 57 Nm Drehmoment lagen erst bei 4.400 U/min an, die Nadel durfte bis beinahe 7.000 Touren klettern. Den Test absolvierte der Fiat 850 Spider mit 8,9 Litern Super Verbrauch pro 100 Kilometer und mit einem guten Qualitätseindruck: "Die Karosserie ist so solide und steif, wie man sie sich bei einem offenen Auto wünscht", lautete das Urteil. Für den Winterbetrieb war ein 10 Kilogramm schweres Hardtop lieferbar. 1968 erhielten der Spider und das Coupé ein Facelift; mit ihm hielt ein neuer, 52 PS starker Motor Einzug. Der Vierzylinder war durch Verlängerung des Hubraums auf 903 cm3 gewachsen, hatte dadurch etwas an Drehmoment zugelegt. Die absolute Topversion aber kam erneut als Einzelstück von Abarth – ein Zweiliter-Motor mit 185 PS für das Coupé, dem man 240 km/h Höchstgeschwindigkeit nachsagte. Als 1971 die neue kompakte 127-Baureihe erschien, lief die 850-Familie allmählich aus – zuerst war Schluss für das Coupé, dann für die Limousine und zuletzt für den Spider. 2,3 Millionen Exemplare waren insgesamt gebaut, eine Reihe von ihnen sogar in den USA verkauft worden. Die kleinen, pfiffigen und preiswerten Autos von Fiat waren schon vor 40 Jahren echte Erfolgsmodelle.
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