11 Mär 2008

Fiorino - ein Traditionsname

Fiorino - ein Traditionsname

Fiorino – ein Traditionsname

Italienischer Kleintransporter war wegweisend für seine Klasse
Von 1977 bis 2000 wurden über 1,1 Millionen Einheiten produziert

Der Fiat Fiorino war über zwei Jahrzehnte eine feste Größe in der Klasse der Kleintransporter. Die nach einer florentinischen Goldmünze benannte Baureihe bildete von 1977 bis zum Jahr 2000 den Einstieg in das Angebot des italienischen Nutzfahrzeugherstellers. Vom Fiat Fiorino wurden zwei Generationen produziert. Er war als Kastenwagen, Kombi, großzügig verglaster Panorama und Pick-up ein handliches, praktisches und geschätztes Transportgefährt bei Handel und Handwerk. Und auch als Ausbau zum Camper hatte er eine treue Fangemeinde.

Der Fiat Fiorino wurde ab 1978 auf dem deutschen Markt angeboten. Der im brasilianischen Werk Belo Horizonte produzierte Kleintransporter basierte auf dem sechs Jahre zuvor lancierten Fiat 127. Von ihm übernahm er den Vorderwagen und die Antriebstechnik. Sein Vierzylindermotor mit einem Hubraum von 896 cm3 leistete 33 kW (45 PS) und war gut für eine Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h. Der kastenförmige Aufbau hinter der Fahrerkabine hatte ein Volumen von 2,5 Kubikmetern, die Nutzlast betrug ansehnliche 360 Kilogramm. Ein Jahr später erhielt der Fiat Fiorino einen 37 kW (50 PS) starken 1,0-Liter-Motor. Parallel zu der Leistungsspritze gab es eine verglaste Kombi-Version. Mit zwei seitlichen, hochklappbaren und herausnehmbaren Sitzbänken hatte sie Platz für vier zusätzliche Personen. Damit war der Fiat Fiorino zugleich ein vollwertiger Sechssitzer oder praktischer Kleintransporter.

Im Sommer 1983 wurde die Baureihe um eine Panoramaversion erweitert (mit zusätzlicher Sitzbank in der 2. Reihe), ab 1984 vervollständigte der Pick-up die Fiorino-Familie. Mit verstärkter Bodengruppe und stärker dimensionierten Aufhängungen war er auf die vielfältigen Einsätze vorbereitet. Neues gab es auch unter der Fiorino-Haube: einen 41 kW (56 PS) starken 1,1 Liter Benziner und einen Diesel mit 33 kW (43 PS). Die Front des Kleintransporters zierten nach einem Facelift fünf Chromstäbe – als Zeichen der Familienzugehörigkeit.

Drei Jahre zuvor (1981) hatte die Firma Weinsberg das Freizeitpotential des Fiat Fiorino entdeckt und ihn zum Mini-Camper umgebaut. An Bord hatte er eine Sitzgruppe, die nachts in eine Liegefläche für zwei Personen verwandelt wurde. Dazu einen Kombischrank, der die ausklappbare Tischplatte, Kleider und Gasflasche beherbergte. Das übrige Reisegepäck wurde in Kästen links und quer hinter dem Fahrerhaus sowie oberhalb des Kombischrankes verstaut. Die Küche bildete ein Zweiflammenkocher. Er wurde zum Kochen auf einer Rollenschiene unter der Längssitzbank ausgezogen. Wasser spendete ein Wassersack, der gleich nebenan an der Tür hing und ein Heckzelt erweiterte den Lebensraum.

Anfang 1988 fand nach 250.000 verkauften Fiat Fiorino der Generationswechsel statt. Der Kleintransporter basierte jetzt auf dem Fiat Uno, von dem er die Frontpartie und die Innenausstattung übernahm. Elementare Baugruppen wie Fahrwerk und Antriebsteile stammten jedoch nach wie vor vom Fiat 127. Er lief ebenfalls in Brasilien vom Band und wurde in den bewährten Karosserievarianten – Kastenwagen, Kombi und Pick-up – angeboten. Das Nutzvolumen hatte sich auf 2,7 Kubikmeter vergrößert, die Nutzlast betrug jetzt bis zu 500 Kilogramm. Mehr Auswahl gab es auf der Antriebsseite: einen 1,1-Liter Benziner mit 44 kW (55 PS), einen 1.5-Liter-Vierzylinder mit 55 kW (75 PS) und einen 42 kW (57 PS) starken 1,7-Liter-Dieselmotor.

Nach einem rein äußerlichen Facelift im Jahr 1992 (u. a. Front des Fiat Uno II) erhielt der Fiat Fiorino zwei Jahre später in Optik und Technik sein letztes Finish. Äußeres Kennzeichen der letzten Serie sind das vordere Hochdach und die Kühlerstreben, innen schufen das Cockpit und die Sitze aus dem Fiat Uno Pkw-ähnlichen Komfort. Auch das Fahrwerk vorn basierte jetzt auf Uno-Technik, hinten wurde das quer liegende Blattfedernpaket in Längsrichtung gedreht, was das Fahrverhalten deutlich verbesserte. Der Radstand wurde um 21 Zentimeter verlängert. Das Ladevolumen wuchs entsprechend an und betrug jetzt 3,2 Kubikmeter (ein Plus von fast 20 Prozent). Dazu erlaubte die überarbeitete Hinterachse eine höhere Zuladung. Sie betrug jetzt ansehnliche 562 Kilogramm.

Die Motorenpalette beinhaltete die bekannten Benziner (1,1 l, 1,3 l und 1,5 l), die noch mit einem modernen 1,4-Liter Vierzylinder mit 49 kW (67 PS) ergänzt wurden. Beibehalten wurde auch der 42 kW (57 PS) starke 1,7-Liter-Diesel, der in den letzten Produktionsjahren mit Turboaufladung 46 kW (63 PS) leistete. Bei den Kunden des Fiat Fiorino – vornehmlich Handwerker – war er die erste Wahl.

Der Fiat Fiorino glänzte in der Klasse der Halbtonner nicht nur durch sein großes Nutzvolumen samt Nutzlast (er konnte in seinem quaderförmigen Laderaum sogar eine Europapalette im Standardformat transportieren), sondern auch durch sein Sicherheitskonzept und seine reichhaltige Ausstattung. Fahrerairbag, ABS, höhenverstellbare Gurte inklusive Gurtstraffer und Kopfstützen waren bei ihm (teils Serie, teils Optional) an Bord. Ebenso angeboten wurden Klimaanlage, elektrische Fensterheber und Scheinwerferwaschanlage. Als gelungene Kombination von Nutzfahrzeug (Kastenwagen) und Freizeitwagen (Panorama) spielte der Fiat Fiorino bis zu seinem Produktionsende im Jahr 2000 in der Klasse der Kleintransporter eine wichtige und wegweisende Rolle. Das zeigt auch die Produktionszahl von über 1,1 Millionen Einheiten.