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04 Okt 2011
Schreiben von Sergio Marchionne an Emma Marcegaglia
Am Freitag, den 30. September, hat Sergio Marchionne, CEO von Fiat S.p.A. und Vorstandsvorsitzender von Fiat Industrial S.p.A., zwei identische Schreiben an die Präsidentin des Arbeitgeberverbands Confindustria, Emma Marcegaglia, geschickt. Diese Schreiben haben folgenden Inhalt:
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Sehr geehrte Emma,
in den letzten Monaten wurden nach Jahren der Untätigkeit zwei wichtige Entscheidungen in unserem Land getroffen, die das Ziel verfolgen, die erforderlichen Voraussetzungen für eine Wiederbelebung unseres Wirtschaftssystems zu schaffen.
Ich meine hiermit zum einen die Interconfederate-Vereinbarung, die am 28. Juni von den landesweiten Gewerkschaften unterzeichnet und von der Confindustria mitgetragen wurde, und zum anderen, was noch wichtiger ist, die Verabschiedung des Artikels 8 durch das Parlament, der - neben der Ausdehnung der Gültigkeit der Vereinbarung vom 28. Juni auf die zuvor abgeschlossenen Vereinbarungen - die wesentlichen Mechanismen für eine flexible Gestaltung der Arbeitszeiten festlegt.
Fiat hat der Regierung, der Confindustria und den Gewerkschaften gegenüber sofort die uneingeschränkte Befürwortung dieser beiden Regelungen bestätigt, mit denen sich viele der Hürden beseitigen lassen, die den Beziehungen zu den Gewerkschaften im Wege standen, und die Sicherheiten bieten, welche für die Entwicklung der italienischen Wirtschaft erforderlich sind.
Zu einem besonders schwierigen Zeitpunkt für die globale Wirtschaft wird diese neue Gesetzesbestimmung es allen italienischen Unternehmen ermöglichen, auf internationaler Ebene unter Bedingungen tätig zu sein, die uns weniger als bisher gegenüber dem Wettbewerb benachteiligen.
Dennoch entfachte die Unterzeichnung der Interconfederate-Vereinbarung am 21. September eine angeheizte Debatte, die - aufgrund der gegensätzlichen Positionen, die anschließend ergriffen wurden, und sogar der Absichtserklärungen einiger, diese Abmachungen in der Praxis nicht anzuwenden - das Vertrauen in die Effektivität des Artikels 8 bedeutend geschmälert hat.
Deshalb besteht das Risiko, dass die Effektivität der mit dem neuen Gesetz ins Leben gerufenen Mechanismen untergraben wird und dass deren Flexibilität im Einsatz stark begrenzt ist.
Fiat baut derzeit einen führenden internationalen Konzern mit 181 Produktionsstätten in 30 Ländern auf und kann es sich deshalb nicht erlauben, in Italien unter derart unsicheren Bedingungen zu arbeiten, die anders sind als überall sonst in der industrialisierten Welt.
Aus diesen Gründen, die weder politisch geprägt noch an unsere zukünftigen Investitionspläne geknüpft sind, möchte ich hiermit bestätigen, dass Fiat und Fiat Industrial, wie in unseren Schreiben vom 30. Juni angedeutet, beschlossen haben, mit Wirkung zum 1. Januar 2012 aus der Confindustria auszutreten. Wir erwägen die Möglichkeit, in einer noch näher festzulegenden Form mit verschiedenen lokalen bzw. regionalen Unterorganisationen der Confindustria, wie u.a. der Unione Industriale di Torino, zusammen zu arbeiten.
Wir werden unsererseits unser Recht auf konsequente Anwendung der neuen Gesetzesbestimmungen nutzen. Die Beziehungen zu unseren Beschäftigten und den Gewerkschaften werden so geführt, dass die Rechte der Arbeitnehmer sowie die Rollen aller beteiligten Personen respektiert werden, so wie das mit den Einigungen, die bereits für Pomigliano, Mirafiori und Grugliasco getroffen wurden, der Fall ist.
Diese wichtige Entscheidung wurde nach langer, umsichtiger Abwägung getroffen. Es ist eine Entscheidung, um die wir nicht umhin können, da es unser Aufgabe ist, bei der industriellen Entwicklung dieses Landes eine führende Rolle zu spielen.
Mit freundlichen Grüßen
Sergio Marchionne
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Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Turin, im Oktober 2011